Die Nickhaut – Scheibenwischer für Vögel

Die Nickhaut – Scheibenwischer für Vögel

Neben Ober- und Unterlid haben Vögel noch ein drittes, kaum erforschtes Lid: die hauchdünne Nickhaut.

In der Vogelfotografie gibt es verschiedene Motive, die heiß begehrt sind. Spektakuläre Flugaufnahmen lassen ein Fotografenherz ebenso höher schlagen wie Fotos von balzenden oder jagenden Vögeln. Ein weiteres Highlight sind natürlich ausdruckstarke Porträtaufnahmen, die das Wesen eines Vogels direkt zur Geltung bringen. Für ein gutes Foto wünscht sich der Fotograf vor allem eines: glänzende, weit geöffnete Augen mit einem Lichtpunkt. Kein Wunder, schließlich lassen sie das ganze Porträt gleich viel lebendiger wirken.

Das Vogelauge: Lider, Pupillen, Iris

Aber die Augen haben neben ihrer Ästhetik natürlich vor allem praktische Funktionen. Die beiden äußeren Lider schützen das Innere des Auges und wehren beim Schlafen und Dösen das Licht ab. Übrigens schließen die meisten Vögel ihre Augen, indem sie das untere Lid anheben – die Augen fallen quasi von unten nach oben zu.

Auch die Pupillen des Vogels spielen (nicht nur beim Fotografieren) eine wichtige Rolle. Sie reagieren auf Licht und können sich dabei unabhängig voneinander öffnen und verkleinern. Liegt also eine Gesichtshälfte im Schatten und die andere in der Sonne, ist die beschattete Pupille stets größer als die andere. (Bei uns Menschen sind die Pupillen immer gleich weit geöffnet.)

Die Iris wird zwar auch Regenbogenhaut genannt, bei den meisten Vogelarten ist sie allerdings schwarz oder braun. Eine nützliche Besonderheit betrifft zum Beispiel die Eulen. Bei ihnen wird die Iris mit fortschreitendem Alter immer dunkler. So lässt sich gut erkennen, in welchem Lebensabschnitt sich ein Vogel befindet.

Augenlid Nummer 3: Die Nickhaut

Manchmal passiert es aber auch, dass sich ein durchsichtiger oder weißlicher Film über das Vogelauge zieht und ihm so Ausdruck und Glanz nimmt. Bei so einem Bild landet der Finger meist auf der Löschen-Taste. Dabei zeigt sich hier ein interessantes Phänomen, über das wir noch gar nicht so viel wissen. Hier eine kurze Bestandsaufnahme:

Die Nickhaut ist eine dünne Bindehautfalte und wird auch das dritte Augenlid genannt. Bei Vögeln sitzt sie im oberen inneren Augenwinkel. Sie überzieht in regelmäßigen Abständen das Vogelauge und wird dabei nach schräg unten in den äußeren Augenwinkel geführt. Das klappt nur, weil zwei Muskeln in die Haut eingelagert sind, die sie „steuerbar“ machen. Durch sie erfolgt das Blinzeln mit der Nickhaut so schnell, dass wir es meist nur als kurzen Schleier wahrnehmen.

Damit die Augen während des Flugs nicht austrocknen, schiebt sich die Nickhaut schützend über die Hornhaut. Gleichzeitig sorgt sie dafür, dass die Tränenflüssigkeit gleichmäßig verteilt wird. Eine andere Funktion ähnelt der eines Scheibenwischers. Am Rand der Nickhaut befinden sich nämlich winzige, federartige Fortsätze. Blinzelt ein Vogel mit der Nickhaut, entfernen diese Fortsätze Fremdkörper wie Staubkörner und Pollen. Die Ringeltaube zum Beispiel sucht nah am Boden nach Futter und wirbelt durch ihr Picken auch Schmutz auf. Deshalb blinzelt sie bei jedem Picken gleichzeitig mit ihrem dritten Augenlid.

Auch andere Vogelarten schützen ihre Augen mit der Nickhaut aktiv vor Fremdkörpern. Eisvögel setzen sie ein, wenn sie Gefieder und Schnabel säubern oder erbeutete Fische gegen einen Ast schlagen. Der Fischadler schließt das dritte Lid kurz bevor er ins Wasser eintaucht. Und der Kolkrabe lässt seine schneeweiße Nickhaut immer wieder aufblitzen, um während der Balz aufzufallen.

Haben nur Vögel eine Nickhaut?

Wir Menschen haben eigentlich auch eine Nickhaut, sie ist bei uns (und den meisten anderen Säugern) aber sehr stark zurückgebildet. Im folgenden Bild ist sie mit „Plica semilunaris“ bezeichnet:
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Wasserlebende Tiere wie der Biber schieben ihre Nickhaut unter Wasser über die Hornhaut und nutzen sie wie eine Taucherbrille. Ohrenrobben dagegen setzen sie an Land ein, damit kein Staub in die Augen gerät. Und Eisbären nutzen das dritte Augenlid, um ihre Augen vor der vom Schnee reflektierten Sonnenstrahlung (und damit Schneeblindheit) zu schützen.

Beitragsbild: Ingrid Taylar (CC BY 2.0)

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