Was machen Vögel nach einem Waldbrand?

Was machen Vögel nach einem Waldbrand?

Die Bilder direkt nach einem Waldbrand erscheinen für uns zunächst erschreckend. Riesige Flächen sind verkohlt, das Grün und Braun der Pflanzen verschwunden. Doch nicht immer sind solche „Störungen“, wie Experten zu plötzlichen Ereignissen wie Bränden, Lawinen, Stürmen oder Überschwemmungen sagen, schlecht für das Ökosystem. Einige Tiere, darunter auch verschiedene Vogelarten, profitieren sogar von der drastischen Veränderung des Lebensraums.

Ein Brand kann für einen Wald wie eine Art reboot sein. Denn ein 40 Jahre alter Wald besteht aus anderen Pflanzenarten als ein neu wachsender, und somit entsteht auch ein neues zu Hause für verschiedene Tierarten. Brände schaffen einen „Flickenteppich“ aus verschiedenen kleinen Lebensräumen und können so bis zu einem bestimmten Grad dazu beitragen, dass die Artenvielfalt zunimmt. Doch zunächst stellt ein Brand eine Gefahr für die Bewohner des Waldes dar.

Alarm – Es brennt!

Die erste Reaktion der meisten Tiere, wenn sie die Indikatoren für ein Feuer wahrnehmen, ist die Flucht. Da Vögel den Vorteil haben, davonfliegen zu können, fallen in der Regel nur wenige Tiere den Flammen zum Opfer. Gefährdet sind vor allem Nester mit noch nicht ausgebrüteten Eiern sowie Jungvögel, die noch nicht fliegen können. Die Vögel fliehen zunächst in ein sicheres Gebiet, um nach einiger Zeit zurückzukehren und den Schaden zu begutachten. Kommen sie zu dem Schluss, dass sie in dem Wald nicht mehr lebensfähig sind, suchen sie sich ein neues zu Hause. Vor allem eine Art der Vögel leidet unter den Folgen nach einem Waldbrand.

Ohne Baumkronen keine Vögel?

Die Schlussfolgerung liegt nah: Sind die Bäume in einem Waldgebiet abgebrannt, haben Vögel keinen Lebensraum mehr. Dies trifft vor allem auf Vogelarten zu, die in den Baumkronen leben und brüten und die sich von den Samen der Bäume ernähren. Sie müssen sich zunächst in ein anderes Waldgebiet zurückziehen. Doch es gibt auch Vögel, die sich besser an die Folgen eines Feuers anpassen können.

Die Höhlenbrüter profitieren

Nicht alle Vögel leiden so stark unter den Folgen eines Waldbrands. Bei einigen Arten wächst der Bestand nach dem Feuer sogar an: Diese Entwicklung konnte bei Vögeln beobachtet werden, die vorrangig in Hohlräumen brüten und bei denen Insekten ganz oben auf der Speisekarte stehen. Nach einem Brand nutzen die Vögel die zahlreichen toten Baumskelette als Rückzugsort und zum Brüten. Außerdem haben sie dank der offenen Flächen am Boden einen Vorteil bei der Suche nach Insekten. So konnte nach einem Brand einer Waldfläche bei Leuk (Österreich) zum Beispiel beobachtet werden, wie die Populationen von Wendehals, Baumpieper und Gartenrotschwanz vorrübergehend zunahmen. Diese Vogelarten bevorzugen offene Landschaften, lichte Wälder und totholzreiche Gebiete. Doch es gibt noch weitere Vogelarten, denen ein Waldbrand zugutekommt.

Die Feuervögel Australiens

In Australien sind Feuer in den Wäldern keine Seltenheit. Aufgrund des trockenen und heißen Klimas brennen jedes Jahr unvorstellbar große Flächen ab. Die dort lebenden Schwarzmilane, Keilschwanzweihen und Habichtfalken freuen sich regelrecht über die Rauchschwaden eines beginnenden Waldbrandes: Sie kreisen über den betroffenen Waldflächen und Graslandschaften, um Jagd auf fliehende kleine Vögel, Eidechsen und Insekten zu machen. Dabei verfallen sie in eine Art Fressrausch. Um möglichst viele Waldbewohner zur Flucht zu bewegen, nehmen die Vögel sogar kleine, brennende Äste in ihre Klauen und werfen sie auf die Flächen, die bisher noch nicht vom Feuer betroffen sind: Brandstiftung!

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