Waldwasserläufer – Sparsame Schnepfe

Waldwasserläufer – Sparsame Schnepfe

Pragmatisch muss man sein: Der Waldwasserläufer recycelt leer stehende Nester anderer Vögel. Leider könnte der sparsame Vogel schon bald aus Mitteleuropa verschwunden sein…

Aussehen

Der Waldwasserläufer gehört zu den Schnepfen. Wie fast alle Vertreter dieser Familie hat er lange, staksige Beine und einen geraden, länglichen Schnabel. Von den Extremitäten abgesehen ist seine Gestalt eher plump, der Schwanz kurz. Das Gefieder des Waldwasserläufers ist dunkelbraun und von einem helleren Fleckmuster durchzogen. Auch Beine und Schnabel sind bräunlich. Dem verwandten Bruchwasserläufer sieht der Waldwasserläufer ähnlich, er ist aber größer und stämmiger als dieser. Mit einer Größe von 20 bis 25 Zentimetern ist der Waldwasserläufer etwa so groß wie ein Star.

Vorkommen

Im Sommer brütet der Waldwasserläufer in Nadelwald und Mooren zwischen Ostdeutschland, Skandinavien und Ostsibirien. Den Winter verbringt er in Mitteleuropa, Zentralafrika und Südasien. In Deutschland kann man den Waldwasserläufer in den östlichen und nördlichen Bundesländern als Brutvogel, andernorts eher als Durchzügler beobachten. Außerhalb der Brutzeit trifft man ihn an Binnengewässern an, sei es an Flüssen, Kanälen oder auch nur Viehtränken.

Aktuell geht man von 600 bis 1000 Brutpaaren in Deutschland aus. Das bedeutet einen Bestandszuwachs in den letzten 50 Jahren. Trotzdem sind die Aussichten für den Waldwasserläufer getrübt: Prognosen besagen, dass der Schnepfenvogel zu den Hauptbetroffenen des Klimawandels gehören wird. Stimmt das, wird der Waldwasserläufer irgendwann aus Mitteleuropa verschwinden.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Der Waldwasserläufer ist sowohl tag- als auch nachtaktiv, am aktivsten ist er aber in der Dämmerung. Dann sieht man häufig mit dem Schwanz wippend in der Uferzone eines Gewässers. Er sucht dort im Schlick nach Würmern, Insekten und kleinen Fischen. Gerne begibt sich der Waldwasserläufer auch in Gesellschaft, am liebsten mit Enten und anderen Wasservögeln. Stört ihn ein Vogelbeobachter bei der Nahrungssuche, fliegt er mit einem deutlichen tnuit-tuit-tuit auf. Solltet ihr den Waldwasserläufer während seiner Brutzeit Mitte bis Ende April erwischen, könnt ihr seine pragmatische Einstellung zum Nestbau bestaunen: Anstatt sein eigenes Nest am Boden zu bauen – wie es die meisten Schnepfen tun – recycelt der Waldwasserläufer alte Nester von Drosseln, Ringeltauben, Krähen, Eichelhähern und Eichhörnchen. Aber bedenkt bei aller Neugier während der Vogelbeobachtung vor allem eines: Nicht stören!

Foto: © Tony Morris / flickr.com

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