Flughafen München – Vogelschutz und Mensch im Konflikt

Flughafen München – Vogelschutz und Mensch im Konflikt

Naturschutz und Verkehr geraten immer wieder in Konflikt. Ein ideales Beispiel ist der Flughafen München. Derzeit leben noch seltene Vogelarten neben den Start- und Landebahnen, doch bei einem weiteren Ausbau könnte das bald wieder vorbei sein.

Die Situation im Erdinger Moos

Die Natur bahnt sich immer ihren Weg. Völlig unerwartet taucht sie selbst dort auf, wo der Mensch sie eigentlich vertrieben hat. So auch am Flughafen München: Zwischen all dem Fluglärm und dem Trubel startender und landender Maschinen befindet sich ein wichtiger Lebensraum für seltene Vogelarten. Zwei Drittel des Flughafengeländes bestehen aus Grünflächen und gehören zum Naturschutzgebiet Erdinger Moos. Um diese Grünflächen instandzuhalten betreibt der Flughafen München schon seit 1992 Biotopmanagement. Doch nicht nur aus Liebe zur Natur sorgt der Flughafen für das Grün auf dem eigenen Gelände: Durch cleveres Management will man Vogelschlag möglichst reduzieren. Daher wird zum Beispiel das Gras so selten gemäht, dass Wasservögel und Greifvögel fernbleiben. Schwarmbildende Arten will man durch die Gestaltung der Grünflächen vergrämen, sodass weniger Vögel mit Flugzeugen zusammenstoßen. Für andere Arten hingegen sind die mageren Wiesen direkt neben Start- und Landebahnen ein Paradies.

Vogelschutzgebiet und Flughafen

So viele seltene und geschützte Arten leben auf dem Gelände des Flughafen München, dass die Fläche 2008 nach der Europäischen Vogelschutzrichtlinie als Vogelschutzgebiet „Nördliches Erdinger Moos“ gemeldet wurde. In seiner Größe entspricht das Vogelschutzgebiet 6400 Fußballfeldern. Die großen Wiesenflächen sind für viele Wiesenbrüter anziehend. Zudem bietet ihnen der Zaun Schutz vor Fressfeinden. Trotzdem geraten Flughafen und Vogelschutzgebiet immer wieder in Konflikt. Größere Vögel müssen vergrämt werden und bei Umbaumaßnahmen kann es zu Störungen kommen. Genau wie in der israelischen Heimat Yossi Leshems kommt es immer wieder zu Unfällen durch Vogelschlag. Der Flughafen München versichert allerdings, dass bei Eingriff in die Brutgebiete für Ausgleich gesorgt wird und dass brütende Vögel möglichst nicht gestört werden. Außerdem rühmt sich der Flughafen laut eigener Angabe einer der niedrigsten Vogelschlags-Raten der Welt.

Vogelarten am Flughafen München

Unter den gefiederten Bewohnern des Flughafens sind fast vierzig gefährdete Arten. Erwähnenswert sind vor allem Wiesenbrüter wie der Große Brachvogel, der Kiebitz, der Wachtelkönig und die Feldlerche. Der Große Brachvogel etwa ist deutschlandweit stark vom Aussterben bedroht, im Nördlichen Erdinger Moos leben hingegen fast fünfzig Brutpaare. Auch seltene Wintergäste wie die Kornweihe rasten am Flughafen München. In einem zweiten Biotop außerhalb des Flughafenzauns leben auf den feuchten Wiesen und an Bächen Arten wie die Wiesenschafstelze, der Flussregenpfeifer und das Blaukehlchen. Auch Tüpfelsumpfhuhn, Grauspecht und Neuntöter finden hier Zuflucht, ebenso wie die Wasservögel Haubentaucher, Reiherente und Bekassine.

Die dritte Startbahn und der Vogelschutz

Doch mit dieser Idylle inmitten modernster Technik könnte es bald vorbei sein. Der Flughafen München will eine dritte Startbahn und eine dritte Startbahn bedeutet massive Einschnitte ins Vogelschutzgebiet „Nördliches Erdinger Moos“. Über drei Millionen Quadratmeter würden zubetoniert werden und insgesamt acht Millionen Quadratmeter Lebensraum wären betroffen. Unter anderem wegen dieser Einschnitte in den Artenschutz gibt es gewaltige Proteste gegen den Flughafenausbau in München. 2012 hatte sich ein Münchener Bürgerentscheid gegen den Ausbau gestellt. Ganze 17 Klagen wurden dem Bayerischen Verwaltungsgericht vorgelegt. Doch ohne Erfolg: Im Februar 2014 wurde der Bau der Startbahn vom Bayerischen Verwaltungsgericht zugelassen. Auch die Staatsregierung befürwortet den Bau. Der Bürgerentscheid hingegen ist nicht mehr bindend. Was also wird passieren und wie kann der Naturschutz trotz Ausbau gewährleistet werden? Man kann nur hoffen, dass der Vogelschutz in diesem Fall nicht Wirtschaftsinteressen untergeordnet wird. So viel Respekt sind wir dem Kiebitz und dem Wachtelkönig schuldig.

>> Protestaktion und Petition gegen die dritte Startbahn des BUND für Naturschutz Bayern

>> Aktionsbündnis AufgeMUCkt gegen den Flughafenausbau 

>> Themenseite der Süddeutschen zum geplanten Ausbau

Foto: Ingrid Taylar (Lizenz: CC BY 2.0) / flickr.com

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