Winterbeobachtung: Sperlingsvögel im Wattenmeer

Winterbeobachtung: Sperlingsvögel im Wattenmeer

Auch im Winter herrscht am Wattenmeer reges Treiben. Große Gruppen aus Watvögeln, Möwen und Enten geben hier nun den Ton an. Aber wer genau hinsieht, kann auch kleinere Vögel entdecken, die die Salzwiesen und Strände nach Nahrung absuchen. Es sind Sperlingsvögel aus dem hohen Norden. Ihre typischen Vertreter: Ohrenlerche, Strandpieper, Schneeammer und Berghänfling.

Während der kalten Jahreszeit kommen sie aus Skandinavien und Sibirien ins Wattenmeer, wo es eben doch etwas wärmer ist als in ihren rauen Brutgebieten. Viele steuern die Salzwiesen an, wo im Sommer verschiedene Gräser und Blütenpflanzen sprießen konnten. Deren energiereiche Samen sind ein wertvolles Festmahl für die kleinen Vögel. Manche bevorzugen auch kleine Fische und Krebse oder ergänzen ihren Speiseplan durch Insekten und Spinnen. Wir stellen euch hier vier Sperlingsvögel im Wattenmeer vor, die sich dort im Winter gut beobachten lassen.

Typische Sperlingsvögel im Wattenmeer

Ohrenlerche

Dieser hübsche Vogel mit dem gelben Gesicht und den kleinen Federohren ist mittlerweile ein seltener Gast. Seit den 1960er Jahren kommen 4.000 bis 5.500 Ohrenlerchen zum Überwintern ins Wattenmeer, vorher war die Zahl wesentlich höher. Grund dafür sind die häufigen Eindeichungen und dass auf den Wiesen immer mehr Vieh weidet. Kühe und Co. fressen das Gras kurz, was wiederum bedeutet: wenig Nahrung, kaum Versteckmöglichkeiten.

Beoachtung: November bis März, oft in Gruppen mit Schneeammern und Berghänflingen

Strandpieper

Der Strandpieper kann mit dem Wiesenpieper verwechselt werden, hat aber ein dunkleres Gefieder und dunklere Beine. Auf seinem Speiseplan stehen zum Beispiel Larven, Muscheln und kleine Schnecken, aber auch Samen. Im Herbst zählt man an der niedersächsischen Küste etwa 3.000 Strandpieper, an der schleswig-holsteinischen sind es knapp über 1.000.

Beobachtung: treten in kleinen, lockeren Gruppen auf und suchen Wiesen, Felsen und Spülsaum ab

Schneeammer

Die Schneeammer ist wohl der auffälligste Wintergast. Bei den Männchen heben sich die schwarzen Flügelspitzen und unteren Schwanzfedern deutlich vom weißen Gefieder ab; Scheitel und Rücken zeigen häufig einen Braunton. Im Wattenmeer ernähren sich diese Überlebenskünstler von den Samen der Salzwiesenpflanzen. Dabei haben sie eine besondere Strategie. Als Schwarm bewegen sie sich wie ein Fließband über den Boden, indem die jeweils hintersten Vögel nach vorn fliegen und die neue erste Reihe bilden. So wird der Spülsaum oder die Wiese systematisch „abgegrast“.

Beobachtung: Oktober bis März, gruppenweise mit anderen Schneeammern oder Ohrenlerchen und Berghänflingen

Berghänfling

Dieser kleine Fink hat im Winter einen gelben Schnabel, das Gefieder ist graubraun. Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit dem Bluthänfling, welcher jedoch etwas heller gefärbt und kräftiger gebaut ist. Die Vögel machen sich durch leises, nasales Gezwitscher bemerkbar und bilden oft größere Gruppen. In Hamburg wurden schon größere Schwärme von Berghänflingen bei der Übernachtung an Gebäuden beobachtet.

Beobachtung: Oktober bis April, immer auf der Suche nach Samen

Foto: Imran Shah (CC BY-SA 2.0)

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