Austernfischer – Geschickter Handwerker

Austernfischer – Geschickter Handwerker

Vögel benutzen zwar in der Regel keine Werkzeuge, aber manchen wurde eines in die Wiege gelegt: Der Austernfischer zum Beispiel vollbringt mit seinem Schnabel kleine Wunder.

Aussehen

Der Austernfischer ist in seiner norddeutschen Umgebung unverwechselbar: Einen krähengroßen Watvogel mit leuchtend orangefarbenem Schnabel und Beinen, sonst ganz in Schwarz-Weiß – so etwas gibt es nur einmal an Nord- und Ostsee. Das Gefieder teilt sich in das Schwarz von Kopf, Brust, Oberseite und Schwanzspitze und das strahlende Weiß des restlichen Körpers. Passend zu diesem Farbschema sind auch die Augen des Austernfischers rot.

Vorkommen

Im Wattenmeer und Binnenland der Nord- und Ostsee ist der Austernfischer Brut- oder Jahresvogel. Aufgrund seines Lebensraums und seiner typischen Farben nennt man ihn auch Halligstorch. Klarer Schwerpunkt der Verbreitung sind die Nordseeküste und das küstennahe Binnenland. Entlang der größeren Stromtäler von Rhein, Ems, Weser und Elbe zieht der Austernfischer bis tief ins Binnenland und brütet dort auch. Seine Brutplätze liegen auf Fels-, Kiesel- oder Sandstrand an Seen, Flüssen und am Meer. Im Winter trefft ihr Austernfischer in großen Gruppen im Wattenmeer an, die meisten von ihnen ziehen dann aber gen Süden.

Bisher hatte der Austernfischer Glück: Obwohl es ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu massiven Bestandsrückgängen kam, ist er heute nicht mehr gefährdet. Der Klimawandel könnte das leider ändern: Ob es Ende des 21. Jahrhunderts noch eine mitteleuropäische Population geben wird, ist bisher ungeklärt.

Vogelbeobachtungs-Tipps

Für die Beobachtung eignet sich der Austernfischer recht gut: Der einprägsame Vogel ist sowohl tag- als auch nachtaktiv und dem Menschen gegenüber distanziert, aber nicht scheu. Sein auffälliges Verhalten macht die Vogelbeobachtung außerdem besonders interessant. Um seine Nahrung, hauptsächlich Muscheln, Würmer und Krebse, zu erwischen hat der Watvogel nämlich einige Tricks auf Lager. Seine Geheimwaffe ist dabei sein Schnabel: Damit hämmert er solange auf Muscheln ein, bis er ihren Schließmuskel zerstört und die harte Schale aufbrechen kann.

Trickreich ist auch sein Umgang mit Regenwürmern. Um diese aus der Erde zu treiben, nutzt er das sogenannte Wurmgrunzen. Dazu trampelt der Austernfischer mit beiden Füßen auf dem Boden und erzeugt so Vibrationen, die bei den Würmern die Flucht auslösen. Wenn sie sich dann an der Oberfläche blicken lassen, ist es um sie geschehen. Wie drollig die Nahrungssuche beim Austernfischer aussehen kann, seht ihr hier:

Komplizierte Techniken wie diese werden beim Austernfischer nicht vererbt, sondern von Generation zu Generation weitergegeben. Austern schlürft der Austernfischer übrigens keine – ob er das auch von seinen Eltern lernt oder von Natur aus bodenständig ist, wissen wir nicht. Doch als geschickter Handwerker hat der Austernfischer mindestens eine weitere Verwendung für sein Schnabel-Werkzeug: Wenn er sich in der Brutzeit bedroht fühlt, hackt er damit gerne einmal auf den nahenden Störenfried ein – selbst Schafe und Kühe sind davor nicht sicher!

>> Als Nationalvogel der Faröerinseln ist der Austernfischer dort auf vielen Briefmarken zu sehen.

>> Die Schutzstation Wattenmeer führt Buch über den Bestand von Austernfischern und anderen Watvögeln. Lest hier Teil 1 und Teil 2 unseres Berichts über sie!

Foto: Funk Dooby (Lizenz: CC BY-SA 2.0 – Bildausschnitt vom Original geändert) / flickr.com

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1 Kommentar

  1. Karl-Heinz Zurmahr 18. Juli 2015 um 21:14 Uhr

    Hallo, soviel ich gelesen habe ist das ein Teil des Balztanzes der Austernfischer.
    Mit freundlichem Gruß aus dem Rheinland

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