Wagbachniederung – Zuckersüßes Vogelparadies

Wagbachniederung – Zuckersüßes Vogelparadies

Naturfreunde wollen gewöhnlich nichts mit Industrie zu tun haben. Im Fall der Wagbachniederung bei Heidelberg hat die Industrie jedoch die Natur letztendlich gefördert: Auf dem fruchtbaren Boden und in den ehemaligen Klärteichen einer alten Zuckerfabrik leben heute über 250 Vogelarten.

Geschichte der Wagbachniederung

Ganz im Nordwesten Baden-Württembergs liegt das 225 Hektar große Naturschutzgebiet Wagbachniederung. Seinen Namen hat es durch seine Lage rund um den Wagbach, einen Altarm des Rheins bei der Kreisstadt Waghäusel. Bis 1995 befand sich hier die Waghäuseler Zuckerfabrik mitsamt ihrer Zuckerrübenproduktion und ihrer Klärteiche. Die spätere Südzucker-Fabrik war vor 1975 sogar im Stadtwappen von Waghäusel verewigt. Nach der Schließung des Standorts in den 90ern gewann die Natur die Fläche wieder zurück. Der durch Zuckerrüben angereicherte Boden und von seichten Gewässern durchzogene Landschaft entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Tier- und Vogelschutzgebiete Deutschlands.

Vogelarten der Wagbachniederung

Ohne Übertreibung kann man die Wagbachniederung ein Paradies für Vogelbeobachter nennen. Etwa 275 Vogelarten leben hier, 150 davon stehen auf der Roten Liste des Artenschutzes. Besonders interessant für die Vogelbeobachtung sind Arten wie Kormoran, Kanadagans, Haubentaucher, Graureiher, Grasmücke, Neuntöter, Kuckuck, Eisvogel sowie verschiedene Schwäne, Enten und Möwen. Während das Dickicht der Röhrichtflächen einen idealen Brutplatz für circa hundert ansässige Arten bietet, hat die Wagbachniederung auch Laufkundschaft. Zugvögel lassen sich im Herbst scharenweise in diesem Gebiet nieder. Ein Schauspiel spektakulären Ausmaßes ist das Einziehen der Starenschwärme im Oktober. Etwa eine halbe Million dieser Zugvögel machen in der Wagbachniederung Rast. Eine Übersicht aller gesichteten Arten findet ihr hier.

Neben Vögeln leben in der Wagbachniederung noch andere seltene Arten. An Säugetieren ist das etwa die Bisamratte, an Reptilien die Ringelnatter und an Amphibien der vom Aussterben bedrohte Moorfrosch.

Die Wagbachniederung für Besucher

Die Wagbachniederung ist nicht nur besonders sehenswert, sondern für Besucher auch gut zugänglich. Radfahrer zum Beispiel erreichen sie über die ehemalige Bundesstraße 36, heute Kfz-freier Radweg. Von Waghäusel aus erreicht man das Naturschutzgebiet über zahlreiche Fußwege. An diesen Wegen stehen für Besucher praktische Beobachtungshütten bereit. So lässt es sich in diesem bedeutenden Vogelschutzgebiet mit Stativ fotografieren, ohne die Vögel zu stören. Paradiesische Zustände also.

Foto: © Harald Bott

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