Der Anklamer Stadtbruch: Naturjuwel in Mecklenburg-Vorpommern

Der Anklamer Stadtbruch: Naturjuwel in Mecklenburg-Vorpommern

Der Anklamer Stadtbruch gehört zu den letzten großen Wildnisgebieten in Deutschland. Umso besser, dass die Landschaft nun einer Stiftung des NABU gehört.

Der Anklamer Stadtbruch: Wildes Paradies

Feuchte Bruchwälder, offene Wasserflächen und weites Hochmoor – der Anklamer Stadtbruch klingt wie ein Angebot aus einem Flyer für erholungsbedürftige Tiere. Und tatsächlich bietet die Moorlandschaft im Nordosten von Mecklenburg-Vorpommern bislang über 100 Brutvogelarten eine Heimat. Fast ein Drittel vom ihnen steht auf der Roten Liste des Bundeslandes, zum Beispiel Schwarz– und Mittelspecht, Wendehals, Zwergschnäpper, Sprosser und Karmingimpel.

Weitere interessante Arten sind Schwarzhalstaucher sowie Fluss- und Trauerseeschwalben. Auch Raub- und Weißbartseeschwalbe lassen sich hier in direkter Nachbarschaft mit Zwergmöwen und verschiedenen Rallen wie dem Tüpfelsumpfhuhn beobachten. Während der Zugzeit ist der Anklamer Stadtbruch eine wichtige Raststätte für Zehntausende von nordischen Gänsen, Schwänen, Enten und Limikolen.

Die wohl faszinierendsten Bewohner des Stadtbruchs sind Seeadler. Die majestätischen Greifvögel profitieren vom großen Fischangebot der flachen Gewässer. Der Anklamer Stadtbruch beherbergt zwölf Brutpaare und damit die höchste Dichte an Seeadlern in ganz Mitteleuropa! Im Sommer 2018 kam es zu einem ganz besonderen Schauspiel: Aufgrund der anhaltenden Trockenheit sammelten sich mehr als 200 Seeadler an den ausgedörrten Gewässern, um sie als Fischbuffet zu nutzen.

Nicht nur Vögel fühlen sich im Anklamer Stadtbruch wohl. Fischotter und Biber sind hier ebenfalls in großer Zahl vertreten. Auch die Pflanzen- und Insektenwelt kann sich sehen lassen. Auf den Moorwiesen lebt die extrem seltene Schmetterlingsart Moorwiesen-Striemenspanner, die sonst nirgendwo in Deutschland mehr vorkommt.

Der Anklamer Stadtbruch: Bewegte Geschichte mit Happy End

Schon im 16. Jahrhundert begannen die Menschen, erste Torfstiche anzulegen und so Brennstoff für die Stadt Anklam zu gewinnen. Die übrigen Flächen nutzten sie als Wiesen und Weiden. 1945 stellte man die Torfgewinnung ein; zu diesem Zeitpunkt war aber bereits die Hälfte des Hochmoores verloren. Mit einer Sturmflut im November 1995 holte sich die Natur das Gebiet zurück. Die Wassermassen aus der Ostsee durchbrachen den Deich zwischen Stadtbruch und Stettiner Haff und überschwemmten große Teile der Landschaft. Seitdem kann sich die Natur wieder ungestört entfalten.

Damit das so bleibt, hat die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe vor Kurzem knapp 1.400 Hektar des Gebietes erworben. Für den Naturschutz ist das ein großer Erfolg, denn so wird der Stadtbruch nicht für die Jagd oder andere Zwecke, die der Natur schaden könnten, verwendet. Die NABU-Stiftung will die bisher noch schwankenden Wasserstände stabilisieren. So kommt kein nährstoffreiches Wasser aus dem Stettiner Haff mehr in das (von Natur aus nährstoffarme) Regenmoor.

Foto: Emberiza citriniella (Lizenz: CC BY-SA 3.0)

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2 Kommentare

  1. Daniela Schöneburg 29. März 2019 um 10:02 Uhr

    Guten Tag!
    Ich möchte zwei Verständnisfragen zum Artikel stellen:
    Das Anklamer Stadtbruch war ja bereits als (staatliches?) Naturschutzgebiet festgelegt. Warum darf es die Stadt Anklam verkaufen (möglicherweise an Privatinvestoren) und wo liegen die Unterschiede im Schutzniveau zw. Naturschutzgebiet und Stiftungsbesitzgebiet?
    Und schließlich: Sind also alle Gebiete im Stiftungsbesitz befriedet, d.h. es darf keine Jagd durchgeführt werden?
    Vielen Dank!
    D. Schöneburg

    • Alexandra Huth 1. April 2019 um 10:59 Uhr

      Hallo,

      bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Anfragen von diesem Ausmaß aus Kapazitätsgründen nicht beantworten können.

      Beste Grüße aus der Redaktion!

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