Das Ökodorf Brodowin in Brandenburg

Das Ökodorf Brodowin in Brandenburg

Im brandenburgischen Brodowin gehen Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand. Kein Wunder also, dass sich ein Besuch des Dorfes gerade für Vogelfreunde lohnt.

Die Natur als Verbündete

Von den endlosen, leuchtend gelben Weiten der Rapsfelder ist in Brodowin, einem Dorf in der brandenburgischen Schorfheide, nichts zu sehen. Überhaupt hält man hier nichts von Monokulturen. Schon 1990 beschlossen die ansässigen Genossenschaftsbauern, dass es auf ihren Feldern anders laufen sollte als im Großteil Deutschlands. Sie wollten sich an die Regeln eines Anbauverbandes namens Demeter halten (abgeleitet vom Namen der griechischen Fruchtbarkeitsgöttin). Demzufolge mussten sie biologisch-dynamisch wirtschaften, auf chemischen Dünger verzichten und sämtliche natürliche Einflüsse auf das Wachstum einer Pflanze berücksichtigen.

Heute prägt der Brodowiner Betrieb mit seinen 1237 Hektar die gesamte Landschaft. Die Bauern bewirtschaften ihre Ackerflächen in einer mehrjährigen Fruchtfolge und beachten bei der Ernte auch die bodenbrütenden Vogelarten. Pestizide und künstlicher Dünger sind nach wie vor tabu. Stattdessen setzen die Landwirte auf homöopathische Präparate, um Boden und Pflanzen mit Kraft zu versorgen. Man arbeitet also stets mit der Natur, nicht gegen sie.

Mittlerweile setzt sich das Konzept immer mehr durch. Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist heute die größte Ökolandbauregion Deutschlands. Circa 60 Betriebe haben sich der umweltfreundlichen Bewegung bereits angeschlossen, weitere sind in der Umstellung. Und am Ende landen die Produkte in den Supermärkten und Kühlschränken der Großstadtbewohner. Brodowin beliefert nämlich Bio-Supermärkte und andere Läden, beispielsweise in Berlin.

Die gefiederten Bewohner von Brodowin

Die Vorteile, von denen Vögel in einer Region wie Brodowin profitieren, liegen auf der Hand. Es gibt mehr Nahrung in Form von Insekten, eine größere Pflanzenvielfalt, mehr Hecken und andere Strukturen zum Sitzen und Verstecken. Und wer im Feld brütet, wird von den Landwirten berücksichtigt und sieht sich nicht plötzlich einem todbringenden Mähdrescher gegenüber.

Hinzu kommt die extrem abwechslungsreiche Landschaft. Südlich von Brodowin schließt sich das Naturschutzgebiet Plagefenn an, wo Seen, Moore, Erlenbrüche und Laubwälder für ganz unterschiedliche Lebensräume sorgen. Davon profitieren unter anderem verschiedene Spechte sowie Kraniche und Weidenmeisen. In der Feldflur um das Dorf herum brüten jede Menge Feldlerchen und Grauammern. In Brodowin sowie im Nachbardorf Pehlitz haben Weißstörche ihre traditionellen Nester. Und aus den Mooren des Plagefenns hört man Anfang April die ansonsten sehr stillen Waldwasserläufer singen. An den zahlreichen Seen rund um Brodowin lassen sich ganze Kolonien von Trauer- und Flussseeschwalben beobachten, in den Schilfstreifen brüten außerdem Drosselrohrsänger, Rohrdommeln und Rohrschwirle. Ab Mitte Mai kehren auch Besonderheiten wie Zwergschnäpper und Sperbergrasmücken in das Gebiet zurück, um in den Wäldern und Hecken zu brüten.

Im Juni und Juli kommt schließlich die ideale Zeit, um Greifvögel zu beobachten. Am häufigsten sind Rot- und Schwarzmilane, auch Wespenbussarde, Baumfalken sowie See- und Fischadler lassen sich immer wieder beobachten. Wer Glück hat, bekommt auch einen seltenen Schreiadler vor das Fernglas.

Foto: stachelbeer (Lizenz: CC BY 2.0)

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