Vögel im ehemaligen Braunkohletagebau

Vögel im ehemaligen Braunkohletagebau

Tiefe Krater, große Steinhaufen und trostlose Flächen: Die Gebiete, die jahrelang Braunkohle geliefert haben, sehen anschließend aus wie groteske Mondlandschaften. Sie sind unfruchtbar, trocken und unbrauchbar – Oder doch nicht? Kann die Natur trotz eines solchen Eingriffes in Braunkohletagebau-Gebiete zurückkehren?

Die Rekultivierung im Braunkohletagebau

Bei der Rekultivierung oder auch Wiedernutzbarmachung von ehemals tagebaulich genutzten Flächen wird versucht, die Gebiete der Natur zurückzugeben. Mithilfe gezielter Maßnahmen sollen sich wieder Pflanzen und Tiere ansiedeln, sodass keine nachträglichen Beeinträchtigungen des Naturhaushaltes zurückbleiben. Dabei steht der Boden besonders im Fokus. Denn seine Fruchtbarkeit ist Grundlage dafür, dass er wieder ein Lebensraum für Flora und Fauna sein kann. Bis sich die Natur rund um ehemalige Tagebau-Gebiete wieder erholt hat, kann es … dauern. Die Flächen werden teilweise aufgeforstet, geflutet oder landwirtschaftlich genutzt. Es entstehen sowohl Naturschutzgebiete, als auch Naherholungsräume.

Ansiedlung von Pflanzen und Tieren

Um eine Fläche aus einem ehemaligen Braunkohletagebau zu rekultivieren, schichten die Maschinen große Massen Erde auf die ausgegrabenen Bereiche. Anschließend können darauf Blühstreifen entstehen und Bäume, Sträucher und Festgehölze wachsen. Die meist abgeschiedenen und daher ruhigen Flächen bieten einen „neuen“ Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Auch Vögel siedeln sich in alten Tagebaugebieten an. Vor allem Arten, die freie weite Flächen lieben, sind die rekultivierten Flächen attraktiv.

Vögel im Tagebau: Gute Indikatoren

Wenn sich die ersten Vögel in den Tagebaugruben ansiedeln, ist das ein gutes Zeichen. Sie sind Indikator dafür, dass sich die Natur langsam aber sicher den Lebensraum zurückholt. Die Feldlerche beispielsweise ist häufig eine der ersten Bewohnerinnen. Das ist besonders erfreulich, da sie zusammen mit anderen Wiesenvögeln zunehmend als bedroht gilt und in normalen Kulturlandschaften immer seltener wird. Auch Steinschmätzer, Brachpieper, Flussregenpfeifer und Kiebitz kämpfen in Deutschland zunehmend um ihren Lebensraum und siedeln sich daher gern in rekultivierten Flächen an. Noch attraktiver werden die Gebiete durch neue Strukturelemente, wie zum Beispiel Flurgehölzstreifen und Feuchtbiotope. In den krautigen Wiesen leben mit der Zeit immer mehr Insekten, die wiederum Nahrungsquelle für die Vögel sind. Das eröffnet adulten Vögeln die Möglichkeit, hier ihre Jungen großzuziehen.

In aufgeforsteten Gebieten dauert es etwa sieben bis acht Jahre, bis die ersten Waldvögel vorbeischauen. Das können zum Beispiel Pirol, Amsel, Singdrossel und Rotkelchen sein.

Tagebaugebiete zur Vogelbeobachtung

Die rekultivierten Flächen von Tagebaugebieten eignen sich perfekt zur Vogelbeobachtung. Mit einem guten Auge oder einem Fernglas kann man die offenen Landschaften überblicken und zahlreiche Vögel entdecken.

Im Tagebau Welzow-Süd wird weiterhin Braunkohle abgebaut. Hinter der großen Abbaufläche liegt jedoch eine Landschaft, in der mittlerweile rund 200 Vogelarten nachgewiesen wurden. 91 davon brüten in dem rekultivierten Revier.

Auch die Königshovener Höhe in Nordrhein-Westfalen beheimatet zahlreiche Vögel, wie die Feldlerche oder Grauammern. Im ehemalige Abbaugebiet des Tagebaus Garzweiler könnt ihr mit etwas Glück sogar die seltene Sumpfohreule beobachten.

Am Schlabendorfer See in Brandenburg sind die Spuren der früheren Verwüstung weiterhin sichtbar. Die neu entstandenen Flachwasserbereiche bieten heute jedoch Schlafplatz für Kraniche, und auch zahlreiche Sturmmöwen ziehen hier ihre Kreise.

 

 

 

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