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Vögel kommen früher aus ihrem Winterquartier zurück

Vögel kommen früher aus ihrem Winterquartier zurück

Eine finnische Studie hat ergeben, dass Zugvögel immer früher nach Europa zurückkehren. Im Durchschnitt erreichen sie Europa heute bereits eine Woche früher als noch vor 50 Jahren.

Ursachen für die verfrühte Rückkehr

Die Hauptursache für die immer frühere Rückkehr vieler Zugvögel ist der Klimawandel. Mildere Winter und frühere Frühlingswärme in Europa sorgen dafür, dass Nahrung und Brutplätze schon früher verfügbar sind. Gleichzeitig werden viele Winterquartiere in Afrika durch steigende Temperaturen und Trockenheit unbrauchbar, sodass die Vögel früher aufbrechen müssen. Auch veränderte Niederschlagsmuster entlang der Zugrouten beeinflussen den Zugzeitpunkt.

Verändertes Verhalten

Durch diese Veränderungen werden viele Kurzstreckenzieher werden zu Standvögeln, wie beispielsweise Amseln und Meisen. Noch gehören diese zu den bekanntesten Wintergästen in Deutschland, doch Experten zufolge ist absehbar, dass die Vögel in naher Zukunft ihr Brutgebiet in Skandinavien auch im Winter nicht mehr verlassen werden.

Einige Kurz- und Mittelstreckenzieher verkürzen zudem ihre Routen. Anders als Langstreckenzieher sind sie in der Lage, neue Routen schnell erblich an ihre Nachkommen weiterzugeben. So ist es Mönchsgrasmücken gelungen, innerhalb weniger Generationen neue Flugrouten und Winterquartiere in ihrem Erbgut zu verankern: Statt nach Spanien oder Nordafrika zu fliegen, überwintern die Vögel nun in Großbritannien.

Einige Arten, wie beispielsweise Kraniche, entwickeln zudem ein Pendelverhalten: Wird es nach ihrer Ankunft noch einmal zu kalt, ziehen sie vorübergehend wieder in den Süden.

Probleme und Perspektiven

Die frühere Ankunft der Zugvögel bringt auch Probleme mit sich. Zum einen sind sie vermehrt späten Wintereinbrüchen und Spätfrösten ausgesetzt. Zum anderen führt die verfrühte Ankunft dazu, dass sie nicht mehr synchron mit den Spitzenzeiten der Insektenvermehrung sind. Dadurch laufen die Vögel und ihre Brut Gefahr, keine ausreichende Nahrungsgrundlage zu finden.

Problematisch ist zudem, dass einige Arten ,wie beispielsweise der Kuckuck, ihr Verhalten bislang nicht angepasst haben. Ziehen sie weiterhin später als andere Vögel nach Europa, besteht die Gefahr, dass sie ihre Eier nicht mehr erfolgreich in die Nester anderer Vögel legen können, da die Brutzeiten nicht mehr übereinstimmen.

Dennoch zeigt die Veränderung auch Positives: Viele Zugvögel erweisen sich als sehr anpassungsfähig und können ihr Verhalten schnell verändern. Kurzstreckenzieher entwickeln neue Routen, manche Arten bleiben im Winter in ihren Brutgebieten, und andere lernen, flexibel auf Kälteeinbrüche zu reagieren. Dies beweist, dass Vögel in der Lage sind, sich an neue Umweltbedingungen anzupassen, was ihnen Chancen gibt, auch in einem sich stark wandelnden Klima zu überleben.