Die Europäische Lärche: Retter vertriebener Vögel

Die Europäische Lärche: Retter vertriebener Vögel

Sie war Baum des Jahres 2012, aber ansonsten wird ihre Bedeutung meist unterschätzt: Die Rede ist von der Europäischen Lärche. Dieser ungewöhnliche Nadelbaum ist nicht nur sehr hübsch, sondern auch ein wichtiger Lebensraum für viele Vogelarten.

Die Europäische Lärche: Ein Steckbrief

Die Europäische Lärche (larix decidua) ist eine Baumart aus der Familie der Kieferngewächse. Mit ihren weichen, hellgrünen Nadeln ist die Lärche eine hübsche Ergänzung für Parks und Gärten. Optisch interessant macht sie sich auch durch eine Anomalie unter den Nadelbäumen: Im Gegensatz zu Fichte, Tanne und Kiefer wirft sie im Herbst ihre Nadeln ab. Davor färbt sie ihre Nadeln goldgelb, was einen schönen Kontrast zum ewigen Grün der übrigen Nadelbäume bildet. Auch im Frühling schmückt sich die Lärche farbig: Je nachdem, ob es ein männlicher oder ein weiblicher Baum ist, blüht die Lärche im Frühling leuchtend gelb oder dunkelrot. Die aus den Blüten entstehenden Zapfen fallen zum Teil erst Jahre nach der Blüte zusammen mit dem zugehörigen Ast zu Boden.

Unter günstigen Bedingungen wird die Lärche bis zu 45 Meter hoch. Die Äste stehen von dem bis zu 1.5 Meter dicken geraden Stamm eher wirr ab. Lärchenholz ist eine wertvolle Ressource. Verwendet wird es zum Beispiel für Holzverkleidungen und Schreinerware oder den Innenausbau von Fenstern, Türen und Balkonen.
Obwohl sich die Lärche für viele verschiedene Klimazonen eignet, bevorzugt sie höhere Lagen wie etwa die Alpenregion, denn sie liebt viel Luftbewegung. Auch wenn die forstliche Bedeutung der Europäischen Lärche eher untergeordnet ist, hat sie doch eine wichtige Stellung im Ökosystem Wald.

Leben Lerchen in Lärchen?

Die Natur ist normalweise keine Ansammlung von Teekesselchen. Lärche und Lerche hingegen haben mehr miteinander zu tun, als man denkt. Der zentralalpine Lärchenwald etwa ist Lebensraum für über 30 Vogelarten. Das ist mehr als die Norm bei Nadelbäumen. In so einem Lärchenwald findet man zum Beispiel den Buchfink, die Ringdrossel, der Baumpieper und der Zeisig. Für viele andere Vogelarten stellt der Lärchenwald eine letzte verbliebene Zuflucht dar. Brutvögel wie Buntspecht, Singdrossel, Gartenrotschwanz oder Kuckuck finden dort sicheren Lebensraum, während dieser im Kulturland der Täler stetig verschwindet.

Die Lärche sichert diesen Vogelarten noch Nahrung, wenn der Wintereinbruch das zunehmend erschwert. Während dann nämlich die Kräuter und Triebe am Boden bereits eingefroren sind, bieten die Lärchentriebe eine sichere Nahrungsquelle. Auch werden Sie von Vögeln gegenüber der Nadeln anderer Nadelbäume bevorzugt. Neben ihren Nadeln findet sich auf der Lärche für die Waldvögel noch eine weitere Nahrungsquelle: Lärchen ziehen eine Reihe von Schädlingen wie Miniermotten, Woll- und Fichtenläuse dar. Diese bedrohen den Baum selbst kaum, sind aber bei den angesiedelten Vogelarten sehr beliebt. Sogar für den Nestbau der heimischen Vögel kommt die Lärche auf: Der Habicht etwa schätzt ihre biegsamen Zweige als Baumaterial für seinen Horst.

Folglich ist eine Wanderung durch den Lärchenwald für Vogelbeobachter sehr zu empfehlen. Selbst wer mit Augen und Kamera nicht fündig wird, kann sich immer noch am Gesang der Singdrossel oder des Kuckucks erfreuen. Und vielleicht ja auch mal dem einer Lerche.

Foto: © daniel stricker / pixelio.de

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4 Kommentare

  1. Gerda B. 14. November 2013 um 16:08 Uhr

    Sehr interessant! Dass Lärchen so nützliche Bäume sind, war mir bisher gar nicht bewusst. Jetzt überlege ich, in meinem Garten eine anzupflanzen.

    • Julia Scholz 15. November 2013 um 12:56 Uhr

      Danke Gerda. Freut uns, dass wir Anregung für die Gartengestaltung daheim liefern konnten 🙂

  2. Elke Marin 27. Juni 2017 um 07:03 Uhr

    Danke f. die vielen Gründe, warum die Lärche in unserem Garten trotz diverser Gründe die so manchen Menschen stören, bleiben sollte.
    Hinzu kommen Ihre Samen als Leckerbissen f. Eichhörnchen – sie knabbern sie aus den unzähligen Zapfen heraus- und Ihr Stellenwert als Frühjahrsweide für Bienen, sowie die heilende Wirkung des Baumharzes bei Lungen- und Hautleiden. Sein Holz ist sehr geschätzt. So wundert es nicht, daß sich seit alters her zahlreiche Mythen und Märchen um diesen wertvollen Baum ranken (s. u.a. Doris Laudert: Mythos Baum – Baumporträts).
    Wer weiß mehr ? Über weitere Informationen diesen Baum als Lebensraum und Biotop betreffend bin ich dankbar.

  3. Elke Marin 27. Juni 2017 um 07:14 Uhr

    Kaum gefragt, schon weiterführende Infos gefunden bei
    Schutzgemeinschaft Deutscher Wald- Stichwort Lärche
    http://www.sdw.de

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