Das Europareservat Unterer Inn – Grenzübergreifender Hotspot

Das Europareservat Unterer Inn – Grenzübergreifender Hotspot

Zwei Länder, 55 Flusskilometer, 300 verschiedene Vogelarten. Das Europareservat Unterer Inn ist in jeder Hinsicht beeindruckend und mit seiner Vielfalt an Flora und Fauna einen Besuch wert.

Es ist Frühling im Europareservat Unterer Inn. Mehrere Reiherarten, darunter der elegante Seidenreiher, tummeln sich am Ufer der Flachgewässer, Spechte und Pirole bevölkern den Auwald, Wasser- und Strandläufer runden das Bild ab. Das abwechslungsreiche Wassergebiet erstreckt sich grenzübergreifend durch Bayern und Österreich, am rechten unteren Zipfel Deutschlands kann man es auf der Landkarte erkennen.

55 Flusskilometer, 5500 Hektar, die intensiv geschützt werden. Über 300 verschiedene Vogelarten wurden hier schon gesichtet, was das Gebiet zu einem wichtigen Drehkreuz, einer Art Bahnhof für den europäischen Vogelzug macht. Besucher können hier von Frühjahr bis Herbst eine wundervolle Artenvielfalt erleben, die sich nicht nur auf Vögel beschränkt. Der Untere Inn wartet mit einer faszinierenden Pflanzenwelt (darunter seltene Orchideen) auf und beherbergt etwa 800 Schmetterlingsarten! Dazu kommen Insekten und Kleintiere, sogar der Fischotter ist hier zu Hause.

Mischwelt der Landschaften

Doch was macht den Oberen Inn so besonders? Der einst sehr wilde Fluss wurde im Laufe der Jahre immer weiter gezähmt und an verschiedenen Stellen gestaut, so dass die Landschaften entlang des Ufers immer vielfältiger wurden. Heute besteht das Europareservat Unterer Inn aus Stauseen, Auwäldern, Flachwasserbereichen, Schlammflächen und Schilfröhrichten, die jeweils verschiedenen Vögeln eine Rast- und Brutstätte bieten.

So wurden im Gebiet bereits 40 verschiedene Arten von Limikolen gesichtet, dazu Bekassinen, Große Brachvögel, Fluss- und Sandregenpfeifer, Kiebitze, Sanderlinge, Uferschnepfen und Knutts. Die verschiedensten Schwalbenarten machen hier auf ihrem Frühjahrs- und Herbstzug Halt, beispielsweise Weißflügelschwalben und Raubseeschwalben. Rallenarten wie das Tüpfelsumpfhuhn zeigen sich im Schilfgebiet, Grau-, Nacht-, Seiden– und Purpurreiher sind vor allem im Gebiet Minaberg häufig zu beobachten.

Zu den Brutvögeln gehören Brandgänse, vor allem an der Staustufe Obernberg. Dazu kommen Kolbenenten und vereinzelte Rohrweihen und Baumfalken. Seeadler brüten seit 2009 am Unteren Inn, auch Mittelmeermöwen sind regelmäßige Brutgäste.

In den Auwäldern klopfen Grau- und Kleinspechte, Grünspechte wagen sich bis an die Ortsränder heran. Dazu kommen Pirole und Trauerschnäpper.

Im Winter wird es zwar ruhiger am Unteren Inn, da die Flachgewässer schnell zufrieren. Der Hauptstrom des Inn bleibt jedoch frei und wird von Gänsesägern und Schellenten bevölkert. Auch Seeadler, Kornweihen und vereinzelte Rohrdommeln sind jetzt noch anzutreffen.

Unterer Inn – Beobachtungsmöglichkeiten

Sowohl in Bayern als auch Oberösterreich gibt es Beobachtungsmöglichkeiten. Beachtet, dass ihr von der deutschen Seite aus lange gegen die Sonne blicken müsst, bis ihr sie zum späten Nachmittag hin im Rücken habt. Das sollte im Sommer aber kein größeres Problem sein. Den kleinen Ort Ering erreicht ihr über die B12. Folgt danach den braunen Schildern zum Europareservat, fahrt am Informationszentrum (hier startet übrigens jeden Sonntag um 10 Uhr eine Führung ins Reservat) vorbei, bis ihr zum Damm kommt, wo auch die Flachwasserbereiche und Inseln gleich in der Nähe sind. Folgt dem Damm für verschiedene Ausblicke und besucht auch den Auwald, wo ihr Spechten und Pirolen begegnen könnt. Von Ering aus kommt ihr auch zum Vogelbeobachtungsturm am Eglsee, wo es Limikolen, Seeschwalben, Seeadler und manchmal sogar Chileflamingos zu entdecken gilt.

Auf österreichischer Seite gibt es ebenfalls mehrere Ausgangspunkte zur Beobachtung. Zur Brutzeit ist vor allem die Rechsberger Au (Minaberg) zu empfehlen, wo ein Weg zwischen Schluchten und Feldern entlang zum besten Aussichtspunkt über die gemischte Reiherkolonie des Unteren Inns führt.

Auch an der Staustufe Egglfing-Obernberg, die von Kirchdorf aus zu erreichen ist, gibt es viel zu beobachten, vor allem Limikolen, Rohrweihen, Löffler und Brandgänse.

 

Foto: James Joel (Lizenz: CC BY-ND 2.0)

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