Das Lübecker Lauerholz

Alexandra Huth 12. Februar 2020 Keine Kommentare zu Das Lübecker Lauerholz
Das Lübecker Lauerholz

Der Grund dafür, dass die Stadt Lübeck (Schleswig-Holstein) einen 4.000 Hektar großen Stadtwald besitzt, liegt weit in der Vergangenheit. Genauer gesagt, im Mittelalter. Damals brauchten die Menschen Unmengen von Holz, um zum Beispiel Kirchendächer und Schiffe zu bauen. Sie gingen in den Wald rund um die Stadt und fällten dort die riesigen Eichen. Als der Wald in unmittelbarer Nähe ausgedünnt war, kaufte man immer mehr Fläche hinzu, um neues Holz zu erschließen. So war Lübeck nicht auf größere Importe angewiesen. Zu den Wäldern der Hansestadt gehört auch das Lauerholz, wo seit mehr als 30 Jahren ein ganz besonderer Umgang mit der Natur herrscht.

Naturnahe Waldwirtschaft

1995 schrieb Lübeck ein neues Konzept für eine nachhaltige Waldnutzung fest. Seitdem zeigt sich im Lauerholz, wie gesund sich ein Wald entwickelt, wenn man ihn der Natur überlässt. Es gibt so genannte Referenzflächen, auf denen der Mensch überhaupt nicht eingreift, sondern nur beobachtet. Bisher fand man so heraus, dass die selbstständig gekeimten Bäume besser wachsen als angepflanzte. Das Waldsystem ist anpassungsfähiger und beherbergt eine höhere Artenvielfalt. Dort, wo Bäume gefällt werden, gehen die Förster so behutsam wie möglich vor. Sie sähen oder pflanzen keine neuen Bäume und ernten nur die besonders großen Exemplare. Totholz räumen sie nicht weg und natürlich kommen weder Pestizide noch Dünger zum Einsatz.

All das erzeugt einen Wald, in dem die Wirtschaftsflächen möglichst nicht von den unbearbeiteten Flächen zu unterscheiden sind. Zwischen mächtigen Eichen und Buchen wachsen Eschen, Hainbuchen, Ahorn und Ulme. Der hohe Grundwasserspiegel lässt viele kleine Waldtümpel und Moore entstehen.

Die Vogelwelt im Lauerholz

Besonders der Mittelspecht prägt das Lauerholz mit seinem quäkenden Gesang, der schon in den ersten Märztagen ertönt. Einige Zwergschnäpper, die jedes Jahr wieder ihre Reviere besetzen, bilden eine große Besonderheit. Sie singen nur für zwei Wochen im Mai. Häufiger kommen dagegen Trauerschnäpper und Waldlaubsänger vor. Schwarzspechte zimmern ihre Höhlen in die Baumstämme und hinterlassen diese Wohnungen auch anderen Vogelarten wie der Hohltaube. Kernbeißer bauen ihre Nester im Lauerholz und verspeisen die Samen der Hainbuche. In der Frühlingsdämmerung rufen die Waldkäuze. Dank des vielen Wassers brüten Eisvögel in dem Gebiet, meist in den Wurzeltellern umgestürzter Bäume.

Diesen Artikel empfehlen

Diskutieren Sie über diesen Artikel