Milde Winter und ihre Folgen in der Tierwelt

Milde Winter und ihre Folgen in der Tierwelt

Dicke Schneeflocken, Eiszapfen und Frost: Das stellen wir uns vor, wenn vom Winter die Rede ist. Gerade in den letzten Jahren gaben aber eher milde Temperaturen den Ton an. Neun der 10 heißesten Jahre in Deutschland lagen zwischen 2010 und 2019. Die Farbpalette in der Natur hat sich deutlich verändert: Kein endloses Weiß, dafür viel Braun und matschiges Grün. Für die meisten Pflanzen ist das nicht dramatisch, solange keine plötzlichen Kälteeinbrüche kommen. Aber wie sieht es in der Tierwelt aus? Wir werfen einen genaueren Blick auf Insekten, Säugetiere und Vögel.

Insekten: Wechselwarm unterwegs

Insekten sind wechselwarm und passen sich daher der aktuellen Temperatur an. Viele ziehen sich bei Kälte in menschliche Behausungen zurück, zum Beispiel Schmetterlinge wie das Tagpfauenauge oder der Kleine Fuchs. Sind die Temperaturen dauerhaft mild, kommen die Insekten gar nicht so recht in den „Energiesparmodus“. Sie bleiben aktiv, zehren von ihren Energiereserven und verhungern im schlimmsten Fall. Den im späten Winter finden sie noch nicht genug Nahrung.

Ein Sommer voller Stechmücken wird oft auf den milden Winter zurückgeführt. Wenn es schon früh im Jahr sehr nass und mild ist, haben die kleinen Blutsauger tatsächlich ideale Startbedingungen.

Säugetiere: Zu früh aufgewacht

Tiere, die Winterschlaf halten, haben meist eine Art „innere Uhr“. Diese verhindert, dass die Tiere an jedem einigermaßen milden Tag gleich aus dem Schlaf schrecken. Erst wenn es längere Zeit warm bleibt, können Igel, Fledermäuse, Bilche und Co. aktiv werden. Das Aufwachen kostet sie sehr viel wertvolle Energie. Wenn sie dann nicht genug Nahrung finden oder von einem Kälteeinbruch überrascht werden, kann das tödlich enden.

Milde Winter und Vögel

Vögel kann man in diesem Zusammenhang in zwei Gruppen unterteilen: Die Überwinterer und die Zugvögel. Milde Winter animieren die „Daheimgebliebenen“ dazu, früher als gewöhnlich mit der Balz zu beginnen. Kein Wunder: Die warmen Temperaturen gaukeln ihnen bereits einen Frühling vor. Davon sind unter anderem Kohlmeisen, Blaumeisen und Kleiber betroffen. Unter ihnen finden sich auch immer mehr Stare. Die sollten eigentlich in Marokko oder Spanien weilen, aber da es auch hier warm genug ist, bleiben manche einfach und besetzen schon mal Nistplätze.

Die hartgesottenen Zugvögel wie Weißstorch, Nachtigall und Kuckuck sind genetisch auf eine bestimmte Zugzeit eingestellt. Trotzdem legen immer mehr von ihnen kürzere Strecken gen Süden zurück oder treten den Rückflug früher an. Wer zur normalen Zeit wiederkommt, findet mitunter nicht mehr genug Nahrung und alle Brutplätze sind bereits besetzt.

Wärmeliebende Arten wie Wiedehopf und Bienenfresser profitieren von der Erwärmung. Sie erweitern ihr Brutgebiet pro Jahr zwei bis 20 Kilometer nach Norden. Bekassine und Wiesenpieper dagegen brauchen Kühle und weichen in andere Regionen aus. Am meisten stecken die Gebirgsvögel in der Klemme. Bergpieper, Ringdrossel und Zitronenzeisig können zur Zeit noch in höhere Lagen ausweichen, doch das geht nicht unbegrenzt. Sie müssen in Bereichen bleiben, in denen sie noch genug Nahrung und Nistplätze finden.

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