Blühstreifen – Wertvolle Lebensräume auf dem Feld

Blühstreifen – Wertvolle Lebensräume auf dem Feld

Es wird immer stiller auf den Feldern. Vögel finden auf den einheitlich bepflanzten Feldern (Monokulturen) nicht mehr genug Nahrung und Schutz. Die europäische Agrarlandschaft hat in den letzten 30 Jahren etwa 300 Millionen Brutpaare verloren. Hinzu kommt, dass die Landwirte öfter und intensiver ernten als früher – oft mitten in der Brutzeit. Nicht zuletzt sorgen „Pflanzenschutzmittel“ und Pestizide für ein großflächiges Insektensterben.

Was sind Blühstreifen?

Blühstreifen (auch Blühflächen genannt) können ein Weg zurück zu mehr Artenvielfalt sein. Es handelt sich dabei um landwirtschaftliche Flächen, die meist für mehrere Jahre nicht genutzt werden. Diese „Lücke“ füllt die Natur dann oft von ganz allein. Samen, die im Boden schlummern oder von Wind herangeweht werden, entwickeln sich zu Pflanzen. Dementsprechend darf natürlich nicht gemäht werden. Eine zweite Möglichkeit besteht darin, blütenreiches Saatgut auszusähen. Damit so ein Blühstreifen seine Wirkung entfalten kann, sollte er

  • neben bzw. auf intensiv genutzten Äckern liegen
  • so groß wie möglich sein
  • Heckensäume oder Gehölze an mindestens einem Rand haben
  • mindestens 50 bis 100 Meter vom nächsten Wald entfernt sein.

Je nach Standort und Erde entwickeln sich unterschiedliche Pflanzen. Klatschmohn und Kornblume sind die Klassiker. Es können sich auch Heilkräuter wie die echte Kamille entwickeln. An feuchteren Standorten gedeiht oft Wiesenschaumkraut und Beinwell.

Wer lebt im Blühstreifen?

Die kleinen Paradiese locken zahlreiche Insekten an, von Schmetterlingen, Kleinlibellen und Käfern bis hin zu verschiedenen Wildbienen, Hummeln und Spinnen. Heuschrecken wie das Grüne Heupferd fühlen sich hier ebenfalls wohl. Gemeinsam mit Sichelwanzen und Blattwespen bekämpfen sie übrigens auch Blattläuse und andere Schädlinge!

Was Vögel betrifft, so finden sie auf den Blühflächen gleich mehrere Nahrungsquellen: Insekten und Pflanzen, wobei vor allem die Samen interessant sind. Die bunten Stieglitze picken sie mit großem Appetit heraus, genau wie Bluthänflinge, Feldsperlinge, Goldammern, Buchfinken und Grünfinken. Außerdem gehören Neuntöter, Dorngrasmücken, Sumpfrohrsänger, Feldlerchen und Rebhühner zu den regelmäßigen Gästen. Letztere kommen allerdings nur, wenn sie genug Deckung finden.

Überhaupt hat so ein Blühstreifen eine große Schutzfunktion, weshalb er eben nicht zu klein sein sollte. Hier können sich die Tiere während der Erntezeit vor den Mähdreschern verstecken. Da taucht dann schnell auch mal ein Wiesel oder ein Feldhase auf. Im Winter suchen die Larven und Raupen der Insekten in den trockenen, hohlen Halmen Schutz.

Auch Zugvögel können von Blühflächen profitieren. Braunkehlchen und Schwarzkehlchen nutzen sie als „Tankstellen“ auf dem Weg in die Winter- oder Brutquartiere. Genau so legen Heckenbraunelle, Zilpzalp und Fitis hier gerne einen Zwischenstopp ein, um zu fressen und sich auszuruhen.

Weiterführende Links

Wer auf seinem Feld einen Blühstreifen anlegen möchte, findet beim LBV ein ausführliches FAQ und bei WildackerWelt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Ihr habt „nur“ einen Garten? Kein Problem, auch den könnt ihr mit unseren Tipps vogelfreundlich und naturnah gestalten!

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