Typische Felsenbrüter und wie man sie beobachtet

Typische Felsenbrüter und wie man sie beobachtet

Vogelpopulationen am Meer sowie in der Nähe von Gebirgen nutzen häufig die steilen, steinigen Landschaften, um zu brüten. Felsenbrüter errichten ihre Nester zum Beispiel auf Felsvorsprüngen oder in kleinen Nischen und Höhlen, die sich im Gestein befinden. Hier sind Nest und Brut vor Wind, Nässe und Sonneneinstrahlung geschützt. Im Gebirge finden brütende Vögel außerdem schneefreie Flächen.
In Mitteleuropa gibt es rund 30 Vogelarten, die Felswände als Bruthabitat nutzen. 17 davon brüten ausschließlich in Felswänden und an Gebäuden, die anderen nutzen auch Baumhöhlen für die Jungenaufzucht.

Bruthöhlen an der Ostseeküste

An den Steilküsten Rügens und Usedoms haben sich Kolonien der Uferschwalbe angesiedelt. Sie bauen aufwändige Bruthöhlen in den Felsen hinein, um ihren Nachwuchs zu schützen. Beobachten könnt ihr die flinken Vögel zum Beispiel im Naturschutzgebiet des Nordwestufers Wittow, in Bakenberg und der Kreptitzer Heide, wozu auch das Kap Arkona gehört.

Felsenbrüter der Nordseeküste

Die Nordseeinsel Helgoland mit dem Lummenfelsen bietet Felsenbrütern einen optimalen Lebensraum. Hier, im ausgewiesenen Naturschutzgebiet, finden sich im Frühjahr Kolonien von Hochseevogelarten wie der Trottellumme, dem Basstölpel, dem Eissturmvogel, dem Tordalk und der Dreizehenmöwe ein. Die Vögel verbringen den Rest des Jahres vorrangig fliegend über dem Meer, weswegen die Brutzeit eine gute Gelegenheit für eine Vogelbeobachtung ist. Bleibt dabei immer auf den Wegen, leint eure Hunde an und nehmt am besten ein Fernglas mit. Ein kleiner Tipp: Im Juni könnt ihr den Lummensprung bestaunen, bei dem sich die Jungvögel waghalsig von den Felsen in die Flut stürzen.

Gebirgslagen in Deutschland

In den Mittelgebirgen Deutschlands brüten vor allem solche Vögel in Felswänden, die alternativ auch Baumkronen nutzen und sich den besten Standort für ihr Nest aussuchen. Im Pfälzerwald sind Bereiche als europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen. In den Felsen brüten der streng geschützte Uhu und der Wanderfalke. Welche Brutfelsen im Frühjahr gesperrt sind, erfahrt ihr auf der Seite Landkreis Südpfalz. Im Harz sucht sich der Kolkrabe Höhlen in den Felswänden, um sein Nest zu bauen. Vereinzelt brütet die Alpenbraunelle im Harz und im Erzgebirge. Auch der Weiß– und der Schwarzstorch bauen ihre Nester immer wieder auf Felsvorsprüngen in höheren Lagen.

Der Alpenraum und seine Felsenbrüter

Im Naturraum der Alpen nutzen zahlreiche Felsenbrüter die verschiedenen Höhen- und Vegetationslagen, um ein Nest zu bauen und Eier zu legen. In den niedrigeren Regionen in der Nähe von Flüssen suchen sich zum Beispiel der Turmfalke und die Dohle kleine Nischen in den Felswänden. Weiter oben, im Waldbereich unterhalb der Baumgrenze, könnt ihr mit einem guten Auge Gänsegeier, Steinadler, Wanderfalke, Uhu, Felsenschwalbe und Kolkrabe brüten sehen. In den oberen Höhenlagen, wo keine Bäume mehr wachsen, machen sich Bartgeier, Alpenbraunelle, Hausrotschwanz, Mauerläufer, Alpendohle und Schneefink die Nistplätze in den steinigen Höhlen streitig.

Dass sich vor allem Greifvögel in Gebirgslagen in der Brutzeit wohlfühlen, hat folgenden Grund. Durch die Höhenlage und die starke Sonneneinstrahlung entstehen an Felswenden typische Thermiken, die für die großen Vögel gute Flugbedingungen schaffen.

Beobachten könnt ihr die Nester mit etwas Glück und einem guten Fernglas von den Wanderwegen aus. Wenn ihr etwas aktiver sein wollt, könnt ihr an den Felsen auch klettern. Haltet euch aber bitte an die vorgegebenen Routen und seid nicht zu laut. Brutfelsen sollten ihr nicht eigenmächtig erklimmen.

Felsenbrüter in Städten

Hohe Gebäude mit Nischen und Vorsprüngen erinnern aus der Vogelperspektive an einen felsigen Lebensraum. Daher ist es nicht verwunderlich, dass einige Felsenbrüter zu Kulturfolgern werden und sich in den Städten niederlassen. Solche Populationen haben beispielsweise Mauersegler, Hausrotschwanz, sowie Wander– und Turmfalke gebildet. Auf dem Land sind außerdem brütende Mehl– und Rauchschwalbe an Häuserwänden anzutreffen. Und auch der Uhu wird in den Großstädten immer häufiger gesichtet.

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