Vogel des Jahres 2015 – Der Habicht

Vogel des Jahres 2015 – Der Habicht

Gerade erst haben wir über Naturschutz-Gesetze berichtet und schon müssen wir euch einen Verstoß dagegen melden: Der Habicht, Vogel des Jahres 2015, ist vom Jäger zum Gejagten geworden.

Kennzeichen des Habichts

Der Vogel des Jahres 2015 ist ein Greifvogel aus der großen Familie der Habichtartigen. Zu verwechseln ist er am ehesten mit dem verwandten, aber deutlich kleineren Sperber. Der Habicht selbst wird so groß wie ein Mäusebussard – allerdings nur die Weibchen, die Männchen sind sehr viel kleiner. Die Färbung ist hingegen bei beiden Geschlechtern gleich: Das helle Bauchgefieder mit den dunklen Querstreifen setzt sich vom dem dunkelbraunen bis graubraunen Rücken ab. Ein besonders auffälliges Kennzeichen des Vogel des Jahres 2015 sind seine leuchtend gelben Augen mit dem hellen Überaugenstreif. Leuchtend gelb bleiben sie jedoch nicht für immer: Im Laufe seines Lebens werden sie immer röter. Wir wissen also, dass der Vogel auf unserem Bild – eine Unterart aus Korsika und Sardinien – ein etwas älteres Exemplar sein muss. Im Flugbild ist der Habicht am besten an seinen abgerundeten Schwingen und seinem relativ langen Schwanz zu erkennen. Kurz und kompakt könnt ihr alle wichtigen Fakten zum Vogel des Jahres 2015 in unserem Habicht-Steckbrief nachlesen. Oder ihr schaut das Kennenlern-Video von NABU und LBV:

Darum ist der Habicht Vogel des Jahres 2015

Wie jedes Jahr ging es bei der Wahl des Habichts zum Vogel des Jahres 2015 um den Artenschutz. Akut bedroht wird der Habicht durch die illegale Greifvogelverfolgung in Deutschland. Obwohl die Jagd auf ihn eigentlich seit den 1970ern verboten ist, haben es Jäger immer wieder auf ihn abgesehen. Nicht, weil sie sich mit seinen Federn schmücken wollen, jagen Menschen den Habicht, sondern, weil er als geschickter Jäger ein Konkurrent bei der Jagd auf Hasen und Fasane ist. Besonders schade ist das, wenn man die Geschichte des Vogels bedenkt. Der Habicht, dessen lateinischer Name accipiter gentilis übersetzt „edler Greifer“ bedeutet, ist schon seit Jahrhunderten ein Jagdbegleiter in der Falknerei. Doch nicht nur Jägern ist der Vogel des Jahres 2015 ein Dorn im Auge: Auch Geflügel- und Brieftaubenzüchter sehen den Habicht als Bedrohung für ihre Schützlinge. Dabei sehen sie nicht, dass gut gefütterte Zuchttiere wie Brieftauben oder Fasane für Greifvögel wie den Habicht allzu leichte Beute sind. Stattdessen ergreifen die Züchter und Jäger brutale Mittel: Die Greifvögel werden trotz des Jagdverbots vergiftet, abgeschossen oder mit Habichtfangkörben eingefangen. In Großbritannien waren sie wegen solcher Methoden zwischenzeitlich sogar ausgerottet; auch in Mitteleuropa kam es zu starken Bestandseinbußen. Und selbst heute ist die Gefahr nicht gebannt. Allein in den letzten zehn Jahren wurden über 1000 illegal getötete Greifvögel registriert, die Dunkelziffer wird sehr viel höher geschätzt. Jagd-Hochburgen sind vermutlich in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg.

Mit der Wahl des Habichts zum Vogel des Jahres 2015 wollen NABU und LVB auf die illegale Greifvogelverfolgung aufmerksam machen. An die Wahl gebunden sind einige Forderungen: Mithilfe von Polizei und Behörden sollen Verbrechen gegen Habichte flächendeckend geahndet werden, der Verkauf von Habichtfangkörben soll verboten werden und während der Brutzeit sollen Horstschutzzonen eingerichtet werden. Eine Meldestelle für illegale Greifvogelverfolgung ist bereits eingerichtet. Tierzüchtern rät der NABU, Drähte als Schutz gegen Angriffe von Greifvögeln zu spannen und Brieftauben nur kurz und mitten am Tag frei fliegen zu lassen. Doch auch dann, so warnt der NABU, kann es Verluste geben.

Vogelbeobachtungs-Tipps für den Habicht

Der Habicht ist ein Standvogel, er ist also das ganze Jahr bei uns zu Hause. Ausreichend Material zum Horstbau, zum Beispiel Lärchenzweige, sind seine einzige Anforderung an seinen Lebensraum. Ansonsten ist der Habicht eher anspruchslos und lebt in Wäldern aller Arten, auch in Stadtnähe. Im nordwestdeutschen Tiefland und den Mittelgebirgen fühlt er sich besonders wohl, aber auch sonst ist er abgesehen von waldarmen Gebieten flächendeckend verbreitet, zum Beispiel im Naturschutzgebiet Berger Hang in Frankfurt am Main oder im Naturschutzgebiet Rhäden im thüringischen Obersuhl. Mit etwa hundert Brutpaaren leben außergewöhnlich viele Habichte in Berlin, in einer der größten Populationsdichten weltweit. Dass Greifvögel in Städten leben, ist übrigens ein relativ neues Phänomen und erst seit den 1960er Jahren bekannt. Wenn sie dort vor Jägern geschützt sind, ist der neue Lebensraum für die Habichte ein Glücksgriff.

Als Vogelbeobachter müsst ihr auf der Suche nach dem Vogel des Jahres 2015 viel Geduld mitbringen. Am besten passt ihr den geschickten Greifvogel bei der Jagd ab. Seine Spezialität ist die bodennahe Verfolgung von Beutetieren, denn der Habicht ist wendig, aber nicht besonders schnell. Er ernährt sich von kleinen bis mittelgroßen Vögeln und Säugetieren. Mit bis zu einem Kilogramm Gewicht ist seine Beute etwa genauso schwer wie der Habicht selbst. Als guter Kämpfer erbeutet er seine Opfer mit seinen kräftigen Krallen. In Mitteleuropa sind das hauptsächlich Tauben (siehe Bild), Drosseln, Raben– und Hühnervögel. Doch auch Maulwürfe, Stockenten, und ganze Vogelnester samt Inhalt verschmäht der Vogel des Jahres 2015 nicht. Doch dass der Habicht ein guter Jäger ist, heißt noch lange nicht, dass wir ihn zum Gejagten machen dürfen.

>> Ihr habt einen toten Greifvogel oder eine Falle gefunden? Ihr wisst von Greifvogelverfolgung in eurer Nachbarschaft? Dann nutzt die NABU-Telefonhotline 030/284984 – 1555 oder das Online-Meldeformular.

>> Der NABU informiert auf seinen Seiten auch über weitere Projekte zum Greifvogelschutz.

Foto: Iosto Doneddu (Lizenz: CC BY-SA 2.0) / flickr.com

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