Alle Vögel sind schon da: Die Stunde der Gartenvögel 2014

Alle Vögel sind schon da: Die Stunde der Gartenvögel 2014

Welche Vögel leben in deutschen Städten und Dörfern? Um diese Frage geht es bei der NABU-Aktion „Stunde der Gartenvögel“. Hier die Auswertung von 2014.

Was ist die Stunde der Gartenvögel?

Die Vögel sind auf Stadtflucht. Die Zuwanderung vieler Vogelarten in die deutschen Städte und Siedlungen ist eine der interessantesten Entwicklungen der letzten 20 Jahre. Diese zu katalogisieren, darum geht es bei der Aktion „Stunde der Gartenvögel“ des NABU. An einem Mai-Wochenende im Jahr werden Vogelbeobachter in ganz Deutschland aufgefordert, eine Vogelzählung in den örtlichen Gärten, Parks und Friedhöfen durchzuführen. So können regionale und deutschlandweite Entwicklungen und Trends bei den Stadt- und Gartenvögeln aufgezeichnet werden. Zum Prinzip der Aktion gehört das Vertrauen in die deutschen Vogelbeobachter und -freunde, auf die sich die „Stunde der Gartenvögel“ stützt. Mit etwa 40.000 Teilnehmern pro Jahr ist es keine kleine elitäre, sondern eine große demokratische Studie mit aussagekräftigen Ergebnissen. Fehler werden durch die bloße Menge der Teilnehmer leicht ausgeglichen.

Übrigens findet Januar das winterliche Gegenstück zur „Stunde der Gartenvögel“ statt, die „Stunde der Wintervögel“ nämlich. Bei Vogel und Natur haben wir bereits darüber berichtet.

Welche Ergebnisse hatte die Stunde der Gartenvögel 2014?

Über 41.000 Teilnehmer, mehr als 970.000 gemeldete Vögel in 28.000 Gärten – die Zahlen sprechen für den Erfolg der „Stunde der Gartenvögel“ 2014. Zum 10. Mal schon fand die bundesweite Vogelzählung zwischen 9. und 11. Mai 2014 statt. Die Top 5 gleicht den letzten Jahren: Haussperling (Spatz), Amsel, Kohlmeise, Blaumeise und Star wurden am häufigsten gesichtet. Insgesamt ist die Entwicklung positiv. Betrachtet man die 50 häufigsten Vogelarten, so sind nur fünf seltener geworden, 22 häufiger und der Rest gleichbleibend. Bei vielen Arten führte ein Bestandsrückgang auf dem Land zu einer Bestandszunahme in Städten und Dörfern. Das Paradebeispiel ist der Feldsperling, dessen Bestand sich seit 2006 verfünffacht hat. Weitere frisch gebackene Gartenvögel sind Ringeltauben, Gimpel, Goldammern, Buntspechte, Eichelhäher und Dohlen. Auch beim Vogel des Jahres 2014, dem Grünspecht, hält der Aufwärtstrend der letzten Jahre an.

Weniger rosig sieht es 2014 bei den Mehlschwalben und den Mauerseglern aus. Wegen fehlender Nistmöglichkeiten an modernen Gebäuden und des Rückgangs an Fluginsekten erreichen Ihre Sichtungen 2014 ein Tief. Von Infektionen betroffen haben auch Amsel und Grünfink 2014 einen Rückgang erlebt. Die Amsel ist zwar immer noch der zweithäufigste Gartenvogel, ihr Bestand nimmt aber seit Beginn der Aktion kontinuierlich ab. Leider sind daran zum Teil auch verunreinigtes Futter und schmutzige Vogelbecken Schuld.

Unter den seltensten Beobachtungen sind Neozoen (eingebürgerte Arten) wie der rheinländische Halsbandsittich, die Kanadagans oder die Mandarinente.

Eine interaktive Karte mit den detaillierten Ergebnissen und einem Vergleich nach Region oder Jahren findet ihr auf der Website des NABU.

Was sind die Konsequenzen aus der „Stunde der Gartenvögel“?

Die wichtigste Erkenntnis aus der „Stunde der Gartenvögel“ ist klar: Städte und Siedlungen haben sich zu einem wichtigen Lebensraum für die heimischen Standvögel entwickelt. Während der Lebensraum in Agrarregionen wegen der intensiv betriebenen Landwirtschaft zunehmend bedroht wird, müssen wir den Vögeln zumindest in Siedlungsgebieten eine Alternative bieten. Darum ist es wichtig, durch Renovierungen an Häusern Nistplätze zu schaffen, und mit ausreichend Grünanlagen und Parks einen Lebensraum für die Vögel und ihr Futter zu garantieren. Dieses Wissen sollte in die Stadtplanung in Zukunft mehr Einfluss haben.

Wenn ihr euren Garten zum Vogelhort machen wollt, empfehlen wir euch unsere Bauanleitungen und Ratgeber. Wir zeigen euch, wie man einen Nistkasten baut und reinigt, wie Vogeltränke und Komposthaufen aussehen müssen und wie ihr Vögel richtig füttert.

Ihr wollt nun auch an der „Stunde der Gartenvögel“ und an der „Stunde der Wintervögel“ teilnehmen? Dann holt euch im nächsten Winter hier und nächsten Sommer hier ein Teilnahmeformular! Um über solche Aktionen auf dem Laufenden zu bleiben, könnt ihr auch den NABU-Newsletter abonnieren.

Foto: © NABU/P. dos Santos

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